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<title>Schleudersitz</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Schleudersitz</span></h1>
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<p>Ein <b>Schleudersitz</b> (auch: <b>Katapultsitz</b>)<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> ist ein Notfallrettungsgerät für die <a href="Fliegendes_Personal" class="mw-redirect" title="Fliegendes Personal">Besatzung</a> von Luftfahrzeugen, der ihr bei Bedarf ein Aussteigen ermöglichen soll, wenn (z. B. aufgrund der hohen Fluggeschwindigkeit) ein herkömmlicher Ausstieg nicht bzw. nur mit erheblichen Zusatzgefahren möglich wäre.
</p><p>Schleudersitze sind hauptsächlich in Militärflugzeugen mit kleiner Besatzung (typischerweise 1 bis 2 Personen) eingebaut. In manchen Fällen werden sie auch unabhängig von Notsituationen planmäßig eingesetzt; so stieg der <a href="Raumfahrer" title="Raumfahrer">Kosmonaut</a> aus sowjetischen <a href="Wostok_(Raumschiff)" title="Wostok (Raumschiff)">Wostok-Raumschiffen</a> regelmäßig mit dem Schleudersitz aus und landete mit dem <a href="Fallschirm" title="Fallschirm">Fallschirm</a>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Aufbau_und_Konzept">Aufbau und Konzept</h2></div>
<p>Ein moderner Schleudersitz ist ein komplexes, nur für den einmaligen Gebrauch vorgesehenes System, bestehend aus dem eigentlichen Sitz, einer Sprengeinrichtung, einem Raketenantrieb, einem Stabilisierungssystem, einem <a href="Rundkappenfallschirm" class="mw-redirect" title="Rundkappenfallschirm">Rundkappenfallschirm</a>, einer <a href="Sauerstoffflasche" title="Sauerstoffflasche">Sauerstoffflasche</a> für große Höhen und einer an den Einsatzort angepassten Überlebensausrüstung einschl. <a href="Funkger%C3%A4t" title="Funkgerät">Funkgerät</a>, <a href="Proviant" title="Proviant">Proviant</a>, ggf. <a href="Schlauchboot" title="Schlauchboot">Schlauchboot</a> bzw. <a href="Rettungsflo%C3%9F" class="mw-redirect" title="Rettungsfloß">Rettungsfloß</a> etc.
</p><p>Das Konzept sieht vor, dass sich das gesamte System nach Aktivierung (heute mit einem <a href="Rakete" title="Rakete">Raketen</a>treibsatz, früher mit <a href="Druckluft" title="Druckluft">Druckluft</a> oder <a href="Sprengstoff" title="Sprengstoff">Sprengstoff</a>) mitsamt Insassen in sehr kurzer Zeit aus dem Fluggerät herauskatapultiert und sich soweit aus dem Gefahrenbereich entfernt, bis – nach Abbremsung und Lagestabilisierung – der Insasse vom System getrennt werden kann und an einem <a href="Fallschirm" title="Fallschirm">Fallschirm</a> zu Boden sinkt. Der Schleudersitz selbst stürzt ungebremst ab und wird zerstört.
</p><p>Heutige Schleudersitze funktionieren auch dann, wenn sich das Flugzeug noch am Boden befindet (sog. 0/0-Sitze; Höhe = 0 / Geschwindigkeit = 0; auch „zero/zero“ geschrieben), ja sogar unter Wasser. Sie ermöglichen ebenso einen sicheren Rettungsausstieg in sehr großen Höhen.
</p><p>Die meisten Schleudersitze katapultieren sich nach oben aus dem Flugzeug; einige wenige katapultieren sich nach unten hinaus, so zum Beispiel zwei der sechs Sitze bei der <a href="Boeing_B-52" title="Boeing B-52">B-52 Stratofortress</a>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Ablauf_eines_Schleudersitz-Ausstiegs">Ablauf eines Schleudersitz-Ausstiegs</h2></div>
<p>Die folgende Beschreibung bezieht sich beispielhaft auf den Ausstieg mit einem Schleudersitz des Typs Martin-Baker Mk. XA<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>. Bei anderen Modellen ist der Ablauf ähnlich, wenngleich es natürlich Detailunterschiede gibt. Der gesamte Vorgang vom Auslösen des Systems bis zur Öffnung des <a href="Fallschirm" title="Fallschirm">Hauptfallschirms</a> dauert insgesamt etwa 2–3 Sekunden, wenn die Auslösung in Bodennähe erfolgt.
</p>
<ol><li>Der Pilot aktiviert den Mechanismus durch Ziehen an einem der Abzugsgriffe (über dem Kopf, zwischen oder neben den Beinen) und nimmt dadurch die Hände vom <a href="Steuerkn%C3%BCppel" title="Steuerknüppel">Steuerknüppel</a> und dem Leistungshebel.</li>
<li>Das Dach oder die Scheibe über der <a href="Pilotenkanzel" class="mw-redirect" title="Pilotenkanzel">Pilotenkanzel</a> wird entfernt. Je nach Luftfahrzeugtyp gibt es dazu verschiedene Verfahren. Z. B. kann dies durch <a href="Sprengschnur" title="Sprengschnur">Sprengschnüre</a> erfolgen, die in eine Silikonhülle gelegt und mit dieser auf dem Kunststoffglas des Kabinendaches aufgeklebt sind, oder es wird das Dach mittels Pneumatik abgeworfen; im Gegensatz zu früher erfolgt dies heute automatisch. Bei manchen Flugzeugtypen erfolgte der Ausschuss durch das geschlossene Dach, welches durch einen an der Oberseite des Helms angebrachten „Dorn“ das Glas durchbrochen wurde. In solchen Fällen waren die Abzugsgriffe am Kopfstück des Schleudersitzes als Splitterschutzkapuze konstruiert. Der Pilot zog diese beim Auslösen über das nur von der Sauerstoffmaske geschützte Gesicht (Regelfall).</li>
<li>Durch Gurtstraffer wird die Wirbelsäule in eine weitgehend gerade Position gebracht, und der Sitz wird durch eine „Schleudersitzkanone“ (ein <a href="Teleskoprohr" title="Teleskoprohr">Teleskoprohr</a> mit eingebauten pyrotechnischen Munitionselementen) aus dem Flugzeugrumpf hochgeschossen. Sämtliche gebündelte Versorgungsleitungen, die den Piloten mit dem Flugzeug verbinden (PEC, Personal Equipment Connector) werden an dafür vorgesehenen Abreißkupplungen kontrolliert unterbrochen, und zwar zunächst an der Verbindungsstelle zwischen Flugzeug und Sitz und danach auch an der Verbindung zwischen Sitz und Pilot.</li>
<li>Nachdem der Sitz auf dem Rohr der Schleudersitzkanone auf eine genau definierte Höhe ausgefahren ist, wird eine Zusatz-Raketenpackung unter dem Sitz gezündet, wodurch das System weiter beschleunigt und in eine sichere Höhe bzw. Entfernung vom Flugzeug hinausgeschleudert wird. Bei mehrsitzigen Flugzeugen erfolgt der Ausschuss gestaffelt von hinten nach vorne. Um einen Zusammenstoß in der Luft zu vermeiden, wird ein Sitz nach links, der andere nach rechts katapultiert. Gleichzeitig mit dem Auslösen des Schleudersitzes werden die Verbindungs- und Kommunikationsleitungen vom Flugzeug getrennt und ein vollautomatischer Notfunksender auf 243 <a href="MHz" class="mw-redirect" title="MHz">MHz</a> aktiviert, um gezielte Rettungsaktionen auch dann zu ermöglichen, wenn der Pilot bewusstlos oder handlungsunfähig sein sollte. Der Sender kann auch zum Wechselsprechen mit der Bergemannschaft benutzt werden. Zugleich beginnt die Notsauerstoffversorgung zu arbeiten.</li>
<li>Ein raketengesteuertes Stabilisierungssystem sorgt mit <a href="Steuerd%C3%BCse" class="mw-redirect" title="Steuerdüse">Steuerdüsen</a> dafür, dass unerwünschte Rotations- und Taumelbewegungen reduziert werden und der Sitz auch bei ungünstiger Flugzeuglage oder minimaler Höhe über Grund eine sichere Position einnimmt.</li>
<li>Eine <a href="Barometrische_H%C3%B6henmessung_in_der_Luftfahrt" title="Barometrische Höhenmessung in der Luftfahrt">barometrische</a> (oder auch eine zeitgesteuerte) Auslösung regelt den weiteren Ablauf: Unterhalb einer definierten Höhe (meist < 5000 m) wird der Sitz vom Piloten getrennt und fällt je nach Modell entweder ungebremst oder mit einem Fallschirm ausgestattet auf den Boden. Bei der Sitz-Mann-Trennung wird mit einer kleinen Rakete zunächst der Hilfs- oder Steuerschirm (englisch <i>drogue</i>) aus dem Sitz herausgeschossen, welcher wiederum einen größeren Hilfsschirm oder gleich den Hauptrettungsschirm aus der Sitzpackung zieht. Ein Beschleunigungsschalter verhindert das Öffnen des Fallschirms bei Geschwindigkeiten über 400 km/h, um ein Zerreißen des Schirmes zu vermeiden. Nach der Landung steht dem Piloten eine Überlebensausrüstung zur Verfügung, die auf das jeweilige Einsatzgebiet abgestimmt ist und z. B. ein Schlauchboot enthalten kann. All dies befindet sich in einem Notausstattungsbehälter; der über eine Packhüllenleine mit dem Besatzungsmitglied verbunden ist.</li></ol>
<ul class="gallery mw-gallery-traditional">
<li class="gallerybox" style="width: 155px">
<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext">Hauptabzugsgriff mit Splitterschutz</div>
</li>
<li class="gallerybox" style="width: 155px">
<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext">Sprengschnur im Kabinendach<br>(siehe grüner Pfeil)</div>
</li>
<li class="gallerybox" style="width: 155px">
<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext">Detail, Teleskoprohrkanone in der Mitte der Sitzrückseite</div>
</li>
<li class="gallerybox" style="width: 155px">
<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext"><small>Die Raketenpackung hat gezündet, der „Feuerstuhl“ wird weiter hoch geschossen, während gleichzeitig der Hilfsfallschirm herausgeschossen wird.</small></div>
</li>
<li class="gallerybox" style="width: 155px">
<div class="thumb" style="width: 150px; height: 150px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext">Ausschuss kopfüber</div>
</li>
</ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Medizinische_Aspekte">Medizinische Aspekte</h2></div>
<p>Die Raketenantriebe der Schleudersitze sind so stark, dass ernsthafte Wirbelsäulenschäden die Folge eines Ausschusses sein können.<sup id="cite_ref-Zeit_1_3-0" class="reference"><a href="#cite_note-Zeit_1-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die Beschleunigungskraft (<a href="G-Kraft" title="G-Kraft">g-Kraft</a>) beträgt für den Bruchteil einer Sekunde je nach Sitzmodell 15 bis 23 g, also das 15- bis 23fache des Körpergewichts. Entscheidend zur Vermeidung von Verletzungen ist dabei eine aufrechte Körperhaltung, die von modernen Systemen durch Gurtstraffung unmittelbar vor dem Ausschuss gewährleistet wird. Zum Vergleich: In Achterbahnen sowie beim Start einer Raumfähre können bis zu 5 g einwirken. Ab ca. 6 g tritt ohne spezielle Anzüge Bewusstlosigkeit ein, da das Blut in die untere Körperhälfte „versackt“; indes sind auch bei modernen Schleudersitzen kurzzeitige Ohnmachtszustände belegt.<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Nur durch den Umstand, dass die Beschleunigungsphase sehr kurz andauert, sind solch enorme Kräfte überhaupt zu ertragen. Allerdings ist nicht nur der Absolutwert der g-Kräfte entscheidend, sondern auch deren zeitliches Verhalten, mathematisch also die <a href="Ableitung_(Mathematik)" class="mw-redirect" title="Ableitung (Mathematik)">Ableitung</a> der <a href="Beschleunigung" title="Beschleunigung">Beschleunigung</a> nach der Zeit, der <a href="Ruck" title="Ruck">Ruck</a>.<sup id="cite_ref-:0_5-0" class="reference"><a href="#cite_note-:0-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-:4_6-0" class="reference"><a href="#cite_note-:4-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Zu berücksichtigen ist auch, dass sich die die Wirbelsäule, wenn sie in ihrer Längsachse belastet wird, zunächst wie ein gedämpftes <a href="Masse-Feder-System" title="Masse-Feder-System">Masse-Feder-System</a> teil<a href="Elastizit%C3%A4t_(Physik)" title="Elastizität (Physik)">elastisch</a> verformt; ehe sie bei einer längeren Krafteinwirkung Strukturschäden erleidet. Aus diesem Grunde wird heute in der <a href="Flug-_und_Raumfahrtmedizin" title="Flug- und Raumfahrtmedizin">Flugmedizin</a> die biomechanische Belastung der Wirbelsäule nicht mehr in g, sondern mit einem sogenannten <i>DRI</i> <i>(Dynamic Response Index)</i> angegeben; er berechnet sich aus dem Stauchweg, um den die Wirbelsäule zusammengedrückt wird, wenn eine axiale Kraft eine bestimmte Zeitlang auf sie einwirkt.<sup id="cite_ref-7" class="reference"><a href="#cite_note-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Bereits ein einmaliges Aussteigen per Schleudersitz kann zur Beendigung der Pilotenkarriere führen. Eine Untersuchung der <a href="Royal_Air_Force" title="Royal Air Force">britischen Luftwaffe</a> von 232 Fällen aus dem Jahr 2006 hinsichtlich des Nutzens von Schleudersitzen ergab eine Überlebensrate von 89 %, wobei die Piloten allerdings in 29,5 % der Fälle Wirbelsäulen- und in 14,2 % Kopfverletzungen sowie (bei der Landung) in 18 % Unterleibsverletzungen erlitten.
</p><p>Eine 2024 veröffentlichte retrospektive Untersuchung von Schleudersitzausstiegen aus deutschen Militärflugzeugen zwischen 1975 und 2021 zeigte folgende Ergebnisse: Von 116 beteiligten Besatzungsmitgliedern kamen sechs (5,2 %) trotz erfolgreich ausgelöstem Schleudersitz ums Leben. Die <a href="Pr%C3%A4valenz" title="Prävalenz">Prävalenz</a> von Wirbelsäulenverletzungen betrug 56,3 %; frühere Untersuchungen hatten diesbezüglich günstigere Ergebnisse erbracht, was aber auf die seinerzeit noch weniger genauen Untersuchungsmethoden zurückgeführt wurde. Insbesondere <a href="Wirbelbruch" title="Wirbelbruch">Wirbelbrüche</a> im Bereich der <a href="Lendenwirbels%C3%A4ule" title="Lendenwirbelsäule">Lendenwirbelsäule</a> führten verhältnismäßig häufig zur Fluguntauglichkeit (17,6 %); die Gesamtquote der Fluguntauglichkeit nach Schleudersitzausstieg betrug 5,8 %.<sup id="cite_ref-:4_6-1" class="reference"><a href="#cite_note-:4-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Um auf einen Rettungsausstieg mit dem Schleudersitz vorbereitet zu sein, erhalten angehende Jet-Piloten eine Ausbildung, bei der u. a. ein Ausschuss mit einem speziellen Trainingsgerät demonstriert wird. Dabei wird der Schüler auf einer Schleudersitznachbildung sitzend entlang einer Schiene nach oben katapultiert. Die bei frühen Versionen dieser Trainer verwendete Pyrotechnik belastete die Wirbelsäule stark.<sup id="cite_ref-8" class="reference"><a href="#cite_note-8"><span class="cite-bracket">[</span>8<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Moderne Trainer verwenden – ebenso wie die frühen deutschen Schleudersitze – Pressluft, was für die Darstellung eines Ausschusses völlig ausreicht.<sup id="cite_ref-9" class="reference"><a href="#cite_note-9"><span class="cite-bracket">[</span>9<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Geschichte">Geschichte</h2></div>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Frühe_Vorläufer"><span id="Fr.C3.BChe_Vorl.C3.A4ufer"></span>Frühe Vorläufer</h3></div>
<p>Einen ersten Vorläufer des Schleudersitzes ließ sich 1916 der britische Eisenbahningenieur Everard Richard Calthrop patentieren, nachdem er seinen Freund <a href="Charles_Rolls" title="Charles Rolls">Charles Rolls</a> bei einem Flugzeugabsturz hatte sterben sehen. Seine Konstruktion sah vor, den Piloten von einem Fallschirm, der seinerseits mit Hilfe von Pressluft entfaltet worden war, aus seinem abstürzenden Flugzeug herausziehen zu lassen.<sup id="cite_ref-10" class="reference"><a href="#cite_note-10"><span class="cite-bracket">[</span>10<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>1928 meldeten die Rumänen Anastase Dragomir und Tanase Dobresco ein französisches Patent an, das einen mit Federhilfe aus einem Flugzeug herausschleuderbaren Sitz mit daran befestigtem <a href="Fallschirm" title="Fallschirm">Fallschirm</a> zum Gegenstand hatte.<sup id="cite_ref-11" class="reference"><a href="#cite_note-11"><span class="cite-bracket">[</span>11<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Ziel war es, sämtlichen Flugpassagieren im Falle einer Havarie eine Überlebenschance zu geben. Tatsächlich funktionierte das System zumindest prinzipiell, wie der bekannte französische Pilot <a href="Lucien_Bossoutrot" title="Lucien Bossoutrot">Lucien Bossoutrot</a> im folgenden Jahr mit Puppen demonstrierte, die während des Fluges in einem entsprechenden Sitz aus einem <a href="Farman" title="Farman">Farman</a>-Flugzeug herausgeschleudert wurden und unbeschädigt am Boden landeten.<sup id="cite_ref-12" class="reference"><a href="#cite_note-12"><span class="cite-bracket">[</span>12<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>In der Folge wurde die Entwicklung jedoch zunächst nicht als vorrangig angesehen. Die Besatzungsmitglieder propellergetriebener Flugzeuge konnten in der Regel aus eigener Kraft das Flugzeug verlassen und mit dem Fallschirm abspringen. Je höher jedoch die Fluggeschwindigkeit durch den Fortschritt der Luftfahrt wurde, desto schwieriger wurde dies aufgrund des <a href="Staudruck" class="mw-redirect" title="Staudruck">Staudrucks</a>. Es bestand auch die Gefahr, durch den Fahrtwind gegen das Flugzeug, vor allem gegen das <a href="Leitwerk" title="Leitwerk">Leitwerk</a>, geschleudert zu werden (was u. a. zum tragischen Tod von <a href="Hans-Joachim_Marseille" title="Hans-Joachim Marseille">Hans-Joachim Marseille</a> führte). Diese Umstände gaben den Anlass zur Entwicklung von besonderen Rettungssystemen für den Ausstieg aus schnellfliegenden Flugzeugen.
</p><p>1930 erdachte der britische Luftwaffenoffizier A.M. Dudgeon eine einfache Ausstiegshilfe, die den Sitz mit Federn in den Luftstrom heben und somit dem Piloten das anschließende Abrollen über die Bordwand erleichtern sollte. Seine Idee wurde jedoch vom britischen Luftfahrtministerium verworfen, weil man dort fürchtete, durch diese Erleichterung hätten Piloten nicht mehr genug Ehrgeiz, um ein havariertes Flugzeug wieder zum Boden zurückzubringen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Deutschland_1934–1945"><span id="Deutschland_1934.E2.80.931945"></span>Deutschland 1934–1945</h3></div>
<div class="mw-heading mw-heading4"><h4 id="Technische_Entwicklung">Technische Entwicklung</h4></div>
<p>Nachdem der Erfinder <a href="Ulf_Wei%C3%9F-Vogtmann" title="Ulf Weiß-Vogtmann">Ulf Weiß-Vogtmann</a> 1934 einen Katapult-Schleudersitz mit daran befestigtem Fallschirm beschrieben (aber nicht zum Patent eingereicht) hatte<sup id="cite_ref-13" class="reference"><a href="#cite_note-13"><span class="cite-bracket">[</span>13<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>, nahm man in Deutschland zügig die Entwicklung entsprechender Systeme in Angriff, wobei die Forschungsanstrengungen hauptsächlich bei der Firma <a href="Ernst_Heinkel_Flugzeugwerke" title="Ernst Heinkel Flugzeugwerke">Heinkel</a> in <a href="Marienehe" title="Marienehe">Rostock-Marienehe</a> gebündelt wurden. Das Hauptaugenmerk lag dabei zunächst darauf, den besonders gefährdeten <a href="Testpilot" title="Testpilot">Testpiloten</a> unerprobter Flugzeug-Prototypen – nicht zuletzt der neuartigen <a href="Strahlflugzeug" title="Strahlflugzeug">Strahlflugzeuge</a> – bessere Überlebenschancen im Falle eines Absturzes zu bieten. Als Antrieb wurde vorerst Pressluft vorgesehen. Bei den Entwicklungsarbeiten zeigte sich, dass der zunächst verfolgte Ansatz, den Sitz mitsamt Insassen zu Boden schweben zu lassen, beim Aufsetzen erhebliche Risiken barg. Daher meldeten die Ingenieure <a href="Carl_Arnhold" title="Carl Arnhold">Karl Arnhold</a>, Oscar Nissen, Reinhold Preuschen und Otto Schwarz 1938 ein Konzept zum Patent an, bei dem sich der Insasse nach dem Herausschleudern von seinem Sitz lösen und an einem separaten Fallschirm zu Boden schweben sollte.<sup id="cite_ref-DE711045_14-0" class="reference"><a href="#cite_note-DE711045-14"><span class="cite-bracket">[</span>14<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Insgesamt wurden in Deutschland während des Krieges bei verschiedenen Unternehmen Schleudersitze entwickelt:
</p>
<ul><li>Der zumeist verwendete Heinkel-Schleudersitz basierte in seiner Ursprungsversion auf einem Druckluft-Katapult. Er erreichte bei einer Spitzenbeschleunigung von 14 g eine Geschwindigkeit von 9,75 m/s. Für den Düsenjäger <i>He 162</i> übernahm man eine Entwicklung von <a href="Focke-Wulf" title="Focke-Wulf">Focke-Wulf</a> (s. u.),<sup id="cite_ref-:5_15-0" class="reference"><a href="#cite_note-:5-15"><span class="cite-bracket">[</span>15<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> welche für das Herausschießen anstelle der Druckluft Treibladungen („Heinkel-Kartuschen“<sup id="cite_ref-16" class="reference"><a href="#cite_note-16"><span class="cite-bracket">[</span>16<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>) nutzte, die in zwei parallelen Rohren hinter dem Sitz angebracht waren; diese Rohre dienten zugleich als Schienen, längs derer sich der Sitz beim Ausschießen über Rollen nach oben bewegte. Heinkel stellte insgesamt über 1000 Schleudersitze für seine Muster <i>He 219</i> und <i>He 162</i> her.<sup id="cite_ref-17" class="reference"><a href="#cite_note-17"><span class="cite-bracket">[</span>17<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Eine Replik eines druckluftbetriebenen Heinkel-Schleudersitzes ist im Technischen Landesmuseum Mecklenburg-Vorpommern (<a href="PhanTECHNIKUM" title="PhanTECHNIKUM">PhanTechnikum</a>) in <a href="Wismar" title="Wismar">Wismar</a> ausgestellt,<sup id="cite_ref-18" class="reference"><a href="#cite_note-18"><span class="cite-bracket">[</span>18<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> ein Exemplar mit Treibladungsantrieb befindet sich im Deutschen Museum in München.<sup id="cite_ref-19" class="reference"><a href="#cite_note-19"><span class="cite-bracket">[</span>19<span class="cite-bracket">]</span></a></sup></li>
<li>Der <a href="Pyrotechnik" title="Pyrotechnik">pyrotechnisch</a> betriebene Heinkel-Schleudersitz war, wie erwähnt, ursprünglich eine Entwicklung von <a href="Focke-Wulf" title="Focke-Wulf">Focke-Wulf</a>, und zwar für deren Nachtjägerprojekt <i><a href="Focke-Wulf_Ta_154" title="Focke-Wulf Ta 154">Ta 154 „Moskito</a></i>“. Er wurde mit 18 g beschleunigt und erreichte eine Geschwindigkeit von 11 m/s. Zwar ging dieses Flugzeugmuster nie in Großserie, doch wurde der Sitz von Heinkel für dessen Düsenjäger <i>He 162</i> übernommen.<sup id="cite_ref-:5_15-1" class="reference"><a href="#cite_note-:5-15"><span class="cite-bracket">[</span>15<span class="cite-bracket">]</span></a></sup></li>
<li>Das dritte deutsche Unternehmen, welches ein eigenes Schleudersitzmodell entwickelte, war <a href="Dornier-Werke" title="Dornier-Werke">Dornier</a>, und zwar für seine <i><a href="Dornier_Do_335" title="Dornier Do 335">Do 335 „Pfeil“</a></i>. Dieser Sitz war durch eine (sehr kurzzeitige) Beschleunigungsspitze von 25 g charakterisiert, was als problematisch angesehen wurde. Die weitere Entwicklung wurde, bedingt durch das Kriegsende, abgebrochen.</li></ul>
<p>Waren noch diese ersten praxisreifen Schleudersitze ausschließlich mit Pressluft oder Treibladungen angetrieben worden, so erkannte Erich Dietz, ebenfalls ein Junkers-Ingenieur, 1943, dass Raketenantriebe deutliche Vorteile boten, vor allem aufgrund der erst allmählich auf den Körper einwirkenden – und außerdem regelbaren – Beschleunigungswirkung, also des weniger heftigen Rucks (siehe oben: Medizinische Aspekte); davon abgesehen sind raketengestützte Systeme leichter, platzsparender und wartungsfreundlicher. Dietz sah einen weiteren Vorteil darin, dass die auf den Körper wirkenden Drehmomente mit diesem Konzept besser steuerbar sind, und ließ es sich patentieren.<sup id="cite_ref-20" class="reference"><a href="#cite_note-20"><span class="cite-bracket">[</span>20<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Allerdings sollte es noch mehr als zehn Jahre dauern, ehe das Prinzip verwirklicht wurde; heute beruhen alle weltweit gebauten Schleudersitze auf einer Kombination eines ballistischen Treibsatzes und eines Raketensystems.
</p><p>Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges waren damit alle wesentlichen Komponenten moderner Schleudersitze bekannt, am Grundkonzept hat sich bis in die Gegenwart nichts geändert.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading4"><h4 id="Flugmedizinische_Forschung">Flugmedizinische Forschung</h4></div>
<p>Parallel zur technischen Entwicklung wurden die grundlegenden medizinischen Experimente im Zusammenhang mit der Schleudersitzentwicklung durchgeführt. Hierfür wurden in Rostock und später auch bei der <a href="Erprobungsstelle_Rechlin" title="Erprobungsstelle Rechlin">Erprobungsstelle Rechlin</a> Katapulte gebaut, auf denen Beschleunigungstests vorgenommen wurden; diese Anlagen fanden bis weit nach dem Krieg Verwendung und wurden zu Vorbildern der modernen Test- und Trainingskatapulte. Die Leitung der medizinischen Forschung oblag einerseits dem Direktor des Instituts für Flugmedizin der <a href="Deutsche_Versuchsanstalt_f%C3%BCr_Luftfahrt" title="Deutsche Versuchsanstalt für Luftfahrt">Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt</a>, <a href="Siegfried_Ruff_(Mediziner)" title="Siegfried Ruff (Mediziner)">Siegfried Ruff</a>, sowie seinem Mitarbeiter Hans Wiesehöfer, und andererseits dem Leiter des Flugmedizinischen Instituts der Erprobungsstelle Rechlin, <a href="Theodor_Benzinger" title="Theodor Benzinger">Theodor Benzinger</a>. Zur Ermittlung der Belastungsfähigkeit der menschlichen Wirbelsäule verwendete man zunächst Leichen. Nach mehreren <a href="Selbstversuch" title="Selbstversuch">Selbstversuchen</a> von Angehörigen der Erprobungsstelle wurden bei den Experimenten im Jahr 1944 auch einige Häftlinge aus dem <a href="KZ_Sachsenhausen" title="KZ Sachsenhausen">KZ Sachsenhausen</a> eingesetzt; dabei handelte es sich um deutsche politische Gefangene bzw. SS-Angehörige, die wegen Straftaten verurteilt waren und denen man angeblich für ihre Teilnahme an den Versuchen die vorzeitige Haftentlassung und Überstellung zur Wehrmacht versprochen hatte. Den vorliegenden Quellenangaben zufolge kam es – entgegen anderslautenden späteren Behauptungen<sup id="cite_ref-21" class="reference"><a href="#cite_note-21"><span class="cite-bracket">[</span>21<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-22" class="reference"><a href="#cite_note-22"><span class="cite-bracket">[</span>22<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> – in diesem Zusammenhang nicht zu wesentlichen Verletzungen oder gar Todesfällen.<sup id="cite_ref-:0_5-1" class="reference"><a href="#cite_note-:0-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-:2_23-0" class="reference"><a href="#cite_note-:2-23"><span class="cite-bracket">[</span>23<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Ob die Versuchspersonen wirklich freigelassen wurden, ist indes nicht bekannt.<sup id="cite_ref-24" class="reference"><a href="#cite_note-24"><span class="cite-bracket">[</span>24<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Umstritten ist, inwieweit auch die Ergebnisse von Unterdruckexperimenten zur Bestimmung der Überlebensfähigkeit in großen Höhen in die Schleudersitzentwicklung einflossen, bei denen im <a href="KZ_Dachau" title="KZ Dachau">KZ Dachau</a> mindestens 70 Häftlinge den Tod fanden.<sup id="cite_ref-:2_23-1" class="reference"><a href="#cite_note-:2-23"><span class="cite-bracket">[</span>23<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-25" class="reference"><a href="#cite_note-25"><span class="cite-bracket">[</span>25<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading4"><h4 id="Erprobungs-_und_Einsatzgeschichte">Erprobungs- und Einsatzgeschichte</h4></div>
<p>Die Flugerprobung der Prototypen erfolgte bei der <a href="Deutsche_Versuchsanstalt_f%C3%BCr_Luftfahrt" title="Deutsche Versuchsanstalt für Luftfahrt">Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt</a> (DVL) in <a href="Berlin-Adlershof" title="Berlin-Adlershof">Berlin-Adlershof</a>. Hierfür wurde ein <a href="Sturzkampfflugzeug" title="Sturzkampfflugzeug">Sturzkampfbomber</a> vom Typ <i><a href="Junkers_Ju_87" title="Junkers Ju 87">Junkers Ju 87</a></i> im hinteren Sitzraum mit einem Schleudersitz ausgerüstet. Bereits bei den frühen Prototypen trug man der Möglichkeit Rechnung, dass ein herausgeschossener Pilot (z. B. aufgrund eines höhenbedingten Sauerstoffmangels) bewusstlos und daher nicht in der Lage war, den Fallschirm auszulösen. Folglich wurde zunächst ein zeitgesteuertes und später ein <a href="H%C3%B6henmesser" title="Höhenmesser">barometrisch</a> gesteuertes <a href="Relais" title="Relais">Relais</a> entwickelt, wodurch eine automatische Öffnung des Fallschirms nach einer bestimmten Zeit bzw. unterhalb einer bestimmten Höhe (in der Regel 4000 Meter) erfolgte. Zusätzlich war auch eine manuelle Auslösung möglich.<sup id="cite_ref-:3_26-0" class="reference"><a href="#cite_note-:3-26"><span class="cite-bracket">[</span>26<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>
Nach erfolgreichen Herausschussversuchen mit Puppen – zunächst vom Boden, dann von einer fliegenden Maschine aus – wurde im Januar 1941 über dem <a href="M%C3%BCritzsee" title="Müritzsee">Müritzsee</a> erstmals ein Mensch aus einem Erprobungsflugzeug herausgeschossen. Der Mann der ersten Stunde, der Fallschirmerprobungsspringer Wilhelm Buß, überlebte, erlitt jedoch zahlreiche Knochenbrüche, was ihn indes nicht daran hinderte, sich nach seiner Genesung weiterhin an den Erprobungen zu beteiligen. Pilot der <i>Ju 87</i> war <a href="Oberleutnant" title="Oberleutnant">Oberleutnant</a> Joachim („Jochen“) Eisermann, der auch später mit Buß zusammenarbeitete.<sup id="cite_ref-27" class="reference"><a href="#cite_note-27"><span class="cite-bracket">[</span>27<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> </p><p>Der nur in Kleinserie hergestellte <a href="D%C3%BCsenj%C3%A4ger" title="Düsenjäger">Düsenjäger</a> <i><a href="Heinkel_He_280" title="Heinkel He 280">He 280</a></i> erhielt als erstes Flugzeug der Welt einen Piloten-Schleudersitz, der dann auch bald seine Bewährungsprobe bestehen musste: Am 13. Januar 1943 war ein antriebsloser <a href="Prototyp_(Technik)" title="Prototyp (Technik)">Erprobungsträger</a> dieses Typs im Schlepp von zwei <i><a href="Messerschmitt_Bf_110" title="Messerschmitt Bf 110">Messerschmitt Bf 110</a></i> bei einem Überführungsflug in der Nähe der <a href="Erprobungsstelle_Rechlin" title="Erprobungsstelle Rechlin">Erprobungsstelle Rechlin</a> unterwegs, als in rund 2400 Metern Höhe die <a href="Cockpit" title="Cockpit">Kanzel</a> während eines heftigen <a href="Schauer" title="Schauer">Schneeschauer</a> vereiste, so dass das Flugzeug nicht mehr steuerbar war. Hierauf wurde das Schleppseil am Heck der Bf 110 notfallmäßig ausgeklinkt, doch am Bug der <i>He 280</i> versagte die Ausklinkvorrichtung, was eine Landung – bei vorn herabhängendem Schleppseil – nun gänzlich zu einem unkalkulierbaren Risiko machte. Daher betätigte der Pilot, Hauptmann Helmut Schenk, den Schleudersitz seiner <i>He 280</i>; es war dies der erste Notausstieg in der <a href="Geschichte_der_Luftfahrt" title="Geschichte der Luftfahrt">Geschichte der Luftfahrt</a>. Schenk blieb unverletzt; die <i>He 280</i> stürzte in einen Wald.<sup id="cite_ref-28" class="reference"><a href="#cite_note-28"><span class="cite-bracket">[</span>28<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Auch der zweite notfallmäßige Schleudersitzausschuss der Welt fand in Deutschland statt: Am 15. Juli 1943 musste sich Hauptmann Hans-Joachim Pancherz, Erprobungspilot bei <a href="Junkers_Flugzeug-_und_Motorenwerke" title="Junkers Flugzeug- und Motorenwerke">Junkers</a>, in <a href="Flugplatz_Rechlin-L%C3%A4rz" class="mw-redirect" title="Flugplatz Rechlin-Lärz">Lärz (Rechlin)</a> aus einer <i><a href="Junkers_Ju_290" title="Junkers Ju 290">Junkers Ju 290</a></i> herausschießen, nachdem bei Höchstgeschwindigkeit Teile des Flugzeugs abgebrochen waren.
</p><p>Die erste Maschine mit serienmäßig eingebautem Schleudersitz war der ab 1940 entwickelte <a href="Nachtj%C3%A4ger" title="Nachtjäger">Nachtjäger</a> <i><a href="Heinkel_He_219" title="Heinkel He 219">Heinkel He 219 „Uhu“</a></i>, von dem bereits zuvor ein Prototyp die <i>Ju 87</i> als Erprobungsträger abgelöst hatte. Unmittelbarer Anlass war die weit vorn liegende Kanzel, so dass bei einem konventionellen Ausstieg die Gefahr bestand, dass die Besatzung von den Propellern erfasst wurde. Aus einem solchen Flugzeug gelang auch am 11. April 1944 der erste bekannte Doppelausschuss – und zugleich der erste Ausschuss im Kampfeinsatz –, als sich der Pilot Unteroffizier Herter und sein Bordschütze Gefreiter Perbix mit dem Schleudersitz retten konnten; ihre Maschine war im Luftkampf von einer <i><a href="De_Havilland_DH.98_Mosquito" title="De Havilland DH.98 Mosquito">De Havilland DH.98 Mosquito</a></i> der <a href="Royal_Air_Force" title="Royal Air Force">Royal Air Force</a> abgeschossen worden.
</p><p>Alle ab 1942 neuentwickelten Flugzeuge der deutschen Luftwaffe wurden mit Schleudersitzen geplant, so z. B. die <i><a href="Dornier_Do_335" title="Dornier Do 335">Do 335</a></i>, bei der der <a href="Propeller#Druckpropeller" title="Propeller">Heckpropeller</a> für aussteigende Piloten gefährlich werden konnte, und der sog. „Volksjäger“ <i><a href="Heinkel_He_162" title="Heinkel He 162">He 162 „Salamander“</a></i>.
</p><p>Als Mindestflughöhe für einen erfolgreichen Schleudersitzausschuss galt zu diesem Zeitpunkt etwa 150 Meter; dies bestätigte sich, als sich am 6. Juni 1944 Leutnant Ernst Maus bei einem Motorenbrand im Landeanflug aus dieser Höhe mit dem Schleudersitz retten konnte; er erlitt zwar bei der Fallschirmlandung einen Schädel- und einen Beckenbruch, doch sein Bordfunker, der wegen der geringen Flughöhe einen Schleudersitzausschuss nicht gewagt hatte, starb beim Aufprall. Insgesamt retteten Schleudersitze über 60 deutschen Besatzungsmitgliedern im Zweiten Weltkrieg das Leben.<sup id="cite_ref-:5_15-2" class="reference"><a href="#cite_note-:5-15"><span class="cite-bracket">[</span>15<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<table class="wikitable">
<tbody><tr class="hintergrundfarbe8">
<th>Datum</th>
<th>Flugzeugtyp</th>
<th>Besatzung</th>
<th>Anmerkung
</th>
</tr></tbody><caption>Erste Rettungen mit dem Schleudersitz im Kampfeinsatz<sup id="cite_ref-:5_15-3" class="reference"><a href="#cite_note-:5-15"><span class="cite-bracket">[</span>15<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</caption>
<tbody><tr><td>11.04.1944
</td>
<td>He 219
</td>
<td>Uffz. Herter
<p>Gefr. Werner Perbix
</p>
</td>
<td>Raum Aachen, beide Besatzungsmitglieder unverletzt
</td></tr>
<tr>
<td>19.05.1944
</td>
<td>He 219
</td>
<td>Lt Otto Fries
<p>Fw. Alfred Staffer
</p>
</td>
<td>Beide Besatzungsmitglieder unverletzt
</td></tr>
<tr>
<td>04.06.1944
</td>
<td>He 219
</td>
<td>Hptm. Heinz Eike
<p>Ofw. Heinz Gall †
</p>
</td>
<td>Abschuss durch britischen Fernnachtjäger am Ärmelkanal
<p>Hptm. Eike unverletzt, Ofw. Gall mit ungeöffnetem Fallschirm tot aufgefunden
</p>
</td></tr>
<tr>
<td>06.06.1944
</td>
<td>He 219
</td>
<td>Uffz. Beyer
<p>Gefr. Walter
</p>
</td>
<td>Beide Besatzungsmitglieder unverletzt
</td></tr>
<tr>
<td>06.07.1944
</td>
<td>He 219
</td>
<td>Ofw. Josef Ströhlein
<p>Uffz. Keune
</p>
</td>
<td>Beide Besatzungsmitglieder unverletzt
</td></tr>
<tr>
<td>13.08.1044
</td>
<td>He 219
</td>
<td>Lt. Ewald Hittler
<p>Uffz. Friedhelm Wildschütze
</p>
</td>
<td>Ausschuss bei 650 km/h; beide Besatzungsmitglieder unverletzt
</td></tr>
<tr>
<td>14.10.1944
</td>
<td>He 219
</td>
<td>Uffz. Franz Frankenhauser
<p>Uffz. Helmut Blank †
</p>
</td>
<td>Abschuss durch feindlichen Fern-Nachtjäger, Uffz. Blank dabei vermutlich tödlich verletzt
<p>Uffz. Frankenhauser nach erfolgreichem Ausschuss unverletzt
</p>
</td></tr></tbody></table>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Schweden_1941–1983"><span id="Schweden_1941.E2.80.931983"></span>Schweden 1941–1983</h3></div>
<p>Unabhängig von den deutschen Entwicklungen begann man ab 1941 bei <a href="Saab" title="Saab">Saab</a> in <a href="Schweden" title="Schweden">Schweden</a>, Schleudersitze zu konstruieren. Anlass hierzu war der <a href="Druckpropeller" class="mw-redirect" title="Druckpropeller">Druckpropellerantrieb</a> des neuesten Jagdflugzeugprojekts, der <i><a href="Saab_21" title="Saab 21">Saab 21</a></i>, der zur Gefahr für einen aussteigenden Piloten werden konnte. Ebenso wie in Deutschland experimentierte man anfangs mit Druckluft, begann aber ab Ende 1942 in Zusammenarbeit mit <a href="Bofors" title="Bofors">Bofors</a> die Entwicklung von Sitzen mit Explosivladungen. Eine kurzzeitige Beschleunigung von 15 g wurde dabei akzeptiert.<sup id="cite_ref-:1_29-0" class="reference"><a href="#cite_note-:1-29"><span class="cite-bracket">[</span>29<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Nachdem Versuche mit lebensgroßen Puppen 1944 erfolgreich verlaufen waren, wurden sämtliche ab 1945 produzierten <i>SAAB 21</i> mit diesem Typ Schleudersitz ausgerüstet. Der erste Pilot, der ihm sein Leben verdankte, war Leutnant Bengt Johansson, der am 29. Juli 1946 nach einer Kollision sein Flugzeug verlassen musste.<sup id="cite_ref-30" class="reference"><a href="#cite_note-30"><span class="cite-bracket">[</span>30<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Nach dem Krieg wurde der schwedische Schleudersitz zuweilen auch in ausländischen Flugzeugen verbaut, etwa der britischen <i><a href="Folland_Gnat" title="Folland Gnat">Folland Gnat</a></i>.<sup id="cite_ref-:1_29-1" class="reference"><a href="#cite_note-:1-29"><span class="cite-bracket">[</span>29<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-31" class="reference"><a href="#cite_note-31"><span class="cite-bracket">[</span>31<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Anfang der 1980er Jahre wurde die Entwicklung in Schweden eingestellt, nachdem Exportaufträge ausgeblieben waren; der letzte Schleudersitz aus schwedischer Produktion war in der <i><a href="Saab_37" class="mw-redirect" title="Saab 37">SAAB JA 37 Viggen</a></i> verbaut.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Internationale_Entwicklung_ab_1945">Internationale Entwicklung ab 1945</h3></div>
<div class="mw-heading mw-heading4"><h4 id="Aufbruch_in_Großbritannien_und_den_USA"><span id="Aufbruch_in_Gro.C3.9Fbritannien_und_den_USA"></span>Aufbruch in Großbritannien und den USA</h4></div>
<p>Die deutschen und schwedischen Bemühungen fanden während des Krieges keine gleichwertige Entsprechung auf Seiten der Alliierten. Spätestens nachdem jedoch auch dort serienreife Strahlflugzeuge entwickelt worden waren (<i><a href="Gloster_Meteor" title="Gloster Meteor">Gloster Meteor</a></i> bzw. <i><a href="Lockheed_P-80" title="Lockheed P-80">Lockheed P-80 Shooting Star</a></i>), wuchs das Interesse an geeigneten Systemen zum Notfallausstieg. Die Dringlichkeit wurde zuerst in Großbritannien erkannt, wo das Luftfahrtministerium 1944 die Firma <a href="Martin-Baker_Aircraft_Company" title="Martin-Baker Aircraft Company">Martin-Baker</a> mit entsprechenden Entwicklungsarbeiten beauftragte. Signifikante Fortschritte gab es jedoch erst, als den Alliierten nach Kriegsende die deutschen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten auf dem Gebiet zugänglich wurden. Hierauf aufbauend, wurde nun auf beiden Seiten des Atlantiks mit großer Energie die Weiterentwicklung vorangetrieben, wobei auch ehemals federführende deutsche Forscher, insbesondere auf dem medizinischen Gebiet, weiterhin bzw. erneut eingebunden wurden (u. a. Siegfried Ruff, nachdem er im <a href="N%C3%BCrnberger_%C3%84rzteprozess" title="Nürnberger Ärzteprozess">Nürnberger Ärzteprozess</a> in allen Anklagepunkten hinsichtlich <a href="Verbrechen_gegen_die_Menschlichkeit" title="Verbrechen gegen die Menschlichkeit">Verbrechen gegen die Menschlichkeit</a> freigesprochen worden war, und Theodor Benzinger).
</p><p>In Großbritannien blieb die Forschung auch nach dem Krieg bei Martin-Baker konzentriert; hier wurden zahlreiche Versuche an Freiwilligen durchgeführt, die rasch zu wesentlichen Erkenntnisgewinnen führten. Am 24. Juli 1946 wurde Bernard Lynch als erster Brite bei 515 km/h aus einer <i><a href="Gloster_Meteor" title="Gloster Meteor">Gloster Meteor</a></i> mit einem Schleudersitz ausgeschossen, und im nächsten Monat folgte der erste US-Amerikaner (aus einem <a href="Northrop_Corporation" title="Northrop Corporation">Northrop</a>-Flugzeug). Der eingesetzte Schleudersitz war ein Martin-Baker-Nachbau des Heinkel-Modells. Das Unternehmen wurde in der Folgezeit marktführender Hersteller dieser Rettungssysteme.
</p><p>Im Unterschied zu Großbritannien ging man in den USA dezentral vor. Hier wurden die deutschen Forschungsergebnisse von dem US-amerikanischen Arzt und Beschleunigungsforscher <a href="John_Paul_Stapp" title="John Paul Stapp">John Paul Stapp</a> ausgewertet und in ein neugestartetes US-amerikanisches Entwicklungsprogramm zur Pilotenrettung („pilot escape technology program“) integriert; die in diesem Rahmen vorgenommene Beschleunigungsversuche wurden wiederum auf der – zu diesem Zweck inzwischen in die USA verbrachten – originalen Katapultanlage der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt durchgeführt.<sup id="cite_ref-32" class="reference"><a href="#cite_note-32"><span class="cite-bracket">[</span>32<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> In der Folge wurden bei mehreren verschiedenen Firmen (<a href="North_American_Aviation" title="North American Aviation">North American</a>, <a href="Douglas_Aircraft_Company" title="Douglas Aircraft Company">Douglas</a>, <a href="Republic_Aviation_Company" title="Republic Aviation Company">Republic</a>, <a href="Lockheed" title="Lockheed">Lockheed</a>, <a href="Grumman_Aerospace_Corporation" title="Grumman Aerospace Corporation">Grumman</a>, Weber, Stanley und Stencel) entsprechende Forschungen begonnen, was einerseits zu einer Diversifizierung der Erkenntnisse führte, aber Probleme bereitete, wenn es z. B. um Standardisierungsfragen ging. Hinzu kamen konkurrierende Vorstellungen der <a href="United_States_Air_Force" title="United States Air Force">US Air Force</a> und der <a href="United_States_Navy" title="United States Navy">US Navy</a>, wo man die Martin-Baker-Sitze bevorzugte. Bemerkenswerterweise wurden die Schleudersitze – ähnlich wie auch in Großbritannien – von den Flugzeugbesatzungen aufgrund der Vorstellung, auf einer Explosivladung zu sitzen, zunächst nur widerwillig angenommen. Doch nachdem Hauptmann Vince Mazza 1949 eine Reihe von Demonstrations-Ausstiegen aus einer umgebauten <i>P-80</i> vorgeführt hatte und sich außerdem zwei Piloten (aus einer <i><a href="McDonnell_F2H" title="McDonnell F2H">McDonnell F2H-1 Banshee</a></i> bzw. einer <i><a href="North_American_F-86" title="North American F-86">North American F-86 Sabre</a></i>) mit dem neuen Gerät hatten retten können, schwanden die Vorbehalte schnell.
</p><p>
Das erste US-amerikanische Flugzeug mit serienmäßig eingebautem Schleudersitz, einer direkten Weiterentwicklung des Heinkel-Sitzes, war die <i><a href="Republic_F-84" title="Republic F-84">Republic P-84 Thunderjet</a></i>, die ab 1948 Serienreife erlangte.</p><p>Während des Koreakrieges betätigten US-amerikanische Piloten beinahe 2000 Mal den Schleudersitz, wobei allerdings die Zuverlässigkeit noch erheblich zu wünschen übrig ließ (Fehlfunktionsrate 31 %).
</p><p>1955 erfolgte der erste Notfallausstieg bei Überschallgeschwindigkeit: Pilot George Smith betätigte bei <a href="Mach-Zahl" title="Mach-Zahl">Mach</a> 1,05 den Schleudersitz seiner <i><a href="North_American_F-100" title="North American F-100">North American F100A Super Sabre</a></i> und überlebte ohne bleibende Schäden. Im Vietnamkrieg erfolgte jeder vierte Notfallausstieg aus den von der U. S. Navy verwendeten trägergestützten <i><a href="North_American_A-5" title="North American A-5">North American A-5 (A3J) Vigilante</a></i> bei Überschallgeschwindigkeit.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading4"><h4 id="Meilensteine_der_Nachkriegsentwicklungen">Meilensteine der Nachkriegsentwicklungen</h4></div>
<p>Das in Rohre integrierte Kartuschenprinzip (Focke-Wulf/Heinkel) wurde bis heute grundsätzlich beibehalten, aber insofern modifiziert, als die Rohre heute durch das Zünden der Treibladungen teleskopartig ausgefahren werden und so den an ihrem oberen Ende befindlichen Sitz mechanisch nach draußen befördern. Erst danach löst sich der Sitz und wird mit Raketen weiter beschleunigt.<sup id="cite_ref-33" class="reference"><a href="#cite_note-33"><span class="cite-bracket">[</span>33<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>Weitere wesentliche Verbesserungen gegenüber den deutschen Systemen aus der Kriegszeit betrafen u. a. Taumel- und Rotationseffekte des herausgeschleuderten Sitzes, die den Insassen teils extremen g-Kräften aussetzten und Verletzungen aufgrund unkontrollierter Extremitätenbewegungen hervorrufen sowie ein gezieltes Herauslösen aus dem Sitz sehr erschweren konnten. Folglich wurden Komponenten zur Stabilisierung der Körperhaltung entwickelt und integriert. Ein weiteres Anliegen bestand darin, auch bereits (von Anfang an) teilweise oder vollständig handlungsunfähigen Piloten eine Überlebenschance zu bieten, so dass große Anstrengungen zu einer möglichst weitgehenden Automatisierung des Ablaufs unternommen wurden. Ein solch vollautomatisierter Ausschuss mit einer selbständigen Trennung von Rettungs- und Steuerschirm konnte erstmals 1975 verwirklicht werden. Andere Neuerungen betrafen die Verwendung spezieller Schäume zur Abmilderung des Anpressdruckes im Moment des Ausschusses (wie sie vergleichbar auch in modernen Sturzhelmen Verwendung finden).
</p><p>In den späten 1950er Jahren begann man (wie bereits von Erich Dietz 1943 postuliert – siehe oben), die bislang ausschließlich verwendeten ballistischen Treibladungen durch Raketensysteme zu ergänzen und teils zu ersetzen, erstmals bei der <i><a href="Convair_F-102" title="Convair F-102">Convair F-102 Delta Dart</a></i> (Sitzhersteller: Weber Aircraft Company).
</p><p>Bald darauf gelang die Realisierung von Schleudersitzen, die auch von einem am Boden stehenden Flugzeug aus betätigt werden konnten (sog. <i>Zero-Zero-Performance</i>, d. h. Geschwindigkeit und Höhe null). Weitere Innovationen betrafen die Rettung aus großen Höhen, weswegen u. a. Sauerstoffversorgungen implementiert und Verzögerungseinrichtungen eingeführt wurden, die die Sitz-Mann-Trennung erst unterhalb einer gewünschten Maximalhöhe, meist ca. 5000 Meter, gewährleisteten. Die letztgenannten Verbesserungen gingen im Wesentlichen auf die Initiative des amerikanischen <a href="H%C3%B6henmedizin" title="Höhenmedizin">Höhenmediziners</a> Don D. Flickinger (1907–1997) zurück,<sup id="cite_ref-34" class="reference"><a href="#cite_note-34"><span class="cite-bracket">[</span>34<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-35" class="reference"><a href="#cite_note-35"><span class="cite-bracket">[</span>35<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> wobei indes die Grundidee auch in diesem Fall bereits ein Jahrzehnt vorher in Deutschland umgesetzt worden war.<sup id="cite_ref-:3_26-1" class="reference"><a href="#cite_note-:3-26"><span class="cite-bracket">[</span>26<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<p>Allerdings war es zunächst ernüchternd, dass die Überlebensraten nach einem Schleudersitzausstieg – laut US-amerikanischen Statistiken – trotz aller Verbesserungen bis Mitte der 1970er Jahre nur sehr allmählich anwuchsen und bei etwa 80 % verharrten. Dies änderte sich allerdings erheblich mit der Einführung von deutlich besser der menschlichen Physioanatomie angepassten Sitzen einschließlich der breiten Verwendung von Mikroprozessoren und Sensorsystemen. Hierdurch konnten bereits in den 1980er Jahren Sitze mit eigenen Geschwindigkeits- und Höhenmessungen realisiert werden, die selbst im Rückenflug von 45 Metern über Grund noch eine erfolgreiche Rettung ermöglichten bzw. den Ausschussmechanismus an die jeweilige Flugsituation (z. B. Flughöhe) automatisch anpassen konnten (S4S der Firma Stencel<sup id="cite_ref-36" class="reference"><a href="#cite_note-36"><span class="cite-bracket">[</span>36<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>, ACES II der Firma <a href="McDonnell_Douglas" title="McDonnell Douglas">McDonnell Douglas</a><sup id="cite_ref-37" class="reference"><a href="#cite_note-37"><span class="cite-bracket">[</span>37<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>, Mk. XIV der Firma Martin-Baker<sup id="cite_ref-38" class="reference"><a href="#cite_note-38"><span class="cite-bracket">[</span>38<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>). Parallel dazu entwickelte <a href="Boeing" title="Boeing">Boeing</a> gemeinsam mit Douglas unter dem Namen CREST (Crew Escape Technologies) einen Sitz für extreme Höhen bis zu 70000 Fuß (über 21 Kilometer).<sup id="cite_ref-39" class="reference"><a href="#cite_note-39"><span class="cite-bracket">[</span>39<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p><p>In den 1980er Jahren wurden auch Einzelheiten zu einem technisch herausragenden Schleudersitz aus sowjetischer Entwicklung bekannt: Der K-36 wurde in sowjetischen Kampfflugzeugen verbaut und ermöglicht einen Ausschuss bis zu Mach 3. Eine für die Raumfähre <a href="Buran_(Raumfahrtprogramm)" title="Buran (Raumfahrtprogramm)">Buran</a> angepasste Version, K-36RB, lässt sogar Einsatzhöhen bis zu 30.000 m und Geschwindigkeiten bis Mach 4 zu.
</p><p>Im Sinne der Anpassung an situative und individuelle Besonderheiten wurden ab den 1990ern auch erhebliche Anstrengungen unternommen, Schleudersitze an die durchschnittlich zartere körperliche Konstitution von Frauen anzupassen.<sup id="cite_ref-Zeit_1_3-1" class="reference"><a href="#cite_note-Zeit_1-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Weitere Innovationen betrafen die Verwendung von <a href="Verbundwerkstoff" title="Verbundwerkstoff">Verbundwerkstoffen</a> und <a href="Aluminium-Lithium-Legierung" title="Aluminium-Lithium-Legierung">Aluminium-Lithium-Legierungen</a>, die eine Gewichtsersparnis auf ca. 63 Kilogramm ermöglichten.
</p><p>Stand 2021 haben insgesamt über 12.000 Schleudersitzausstiege stattgefunden.<sup id="cite_ref-40" class="reference"><a href="#cite_note-40"><span class="cite-bracket">[</span>40<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Sonderentwicklungen">Sonderentwicklungen</h2></div>
<ul><li>Alternativ zum Herausschießen des Pilotensitzes wurden auch Systeme entwickelt, bei denen die komplette Cockpitkapsel (als <a href="Rettungskapsel" title="Rettungskapsel">Rettungskapsel</a>) vom Flugzeugrumpf getrennt wird (z. B. bei der <i>F-111</i>). Zuvor war ein solches Konzept bereits 1938 beim ersten funktionsfähigen Raketenflugzeug der Welt, der <i><a href="Heinkel_He_176" title="Heinkel He 176">He 176</a></i>, verwirklicht worden.<sup id="cite_ref-41" class="reference"><a href="#cite_note-41"><span class="cite-bracket">[</span>41<span class="cite-bracket">]</span></a></sup></li>
<li>Interessant war auch die US-amerikanische Entwicklung eines <i>Rettungssitzes</i>, welche während des <a href="Vietnamkrieg" title="Vietnamkrieg">Vietnamkrieges</a> begann und 1971 zum Patent angemeldet wurde. Sie sollte verhindern, dass ein ausgestiegener Pilot in feindliche Hände geriet. Hierzu wurde nach dem Ausschuss ein Turbinenantrieb gestartet, wodurch der Sitz in Verbindung mit einem ausklappbaren Rotor zum <a href="Tragschrauber" title="Tragschrauber">Tragschrauber</a> verwandelt wurde. Die Reichweite wurde mit 100 km und 185 km/h Höchstgeschwindigkeit angegeben.<sup id="cite_ref-42" class="reference"><a href="#cite_note-42"><span class="cite-bracket">[</span>42<span class="cite-bracket">]</span></a></sup></li>
<li>Manche Entwicklungen endeten in einer Sackgasse. So wurde der Schleudersitz für den <i><a href="Lockheed_F-104" title="Lockheed F-104">F-104 Starfighter</a></i> aus Platzgründen zunächst für einen Ausschuss nach unten konzipiert, weshalb der Pilot vor dem Ausstieg eine viertel oder besser halbe Rolle fliegen musste. Im Juli 1958 starb deshalb der Testpilot Iven C. Kincheloe: Er katapultierte sich aus seinem defekten <i>Starfighter</i> heraus, doch aufgrund der geringen Flughöhe landete der horizontal ausgeschossene Schleudersitz direkt in dem Feuerball des beim Aufprall auf dem Boden explodierten Flugzeugs.<sup id="cite_ref-43" class="reference"><a href="#cite_note-43"><span class="cite-bracket">[</span>43<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Nach diesem Ereignis wurden die <i>F-104</i> auf herkömmliche Schleudersitze umgerüstet.</li>
<li>Die ersten <a href="Hubschrauber" title="Hubschrauber">Hubschrauber</a>, die mit einem Schleudersitz ausgerüstet wurden, sind der ab 1980 entwickelte <a href="Russland" title="Russland">russische</a> <i>Kamow Ka-50 Hokum</i> und der <i><a href="Kamow_Ka-52" title="Kamow Ka-52">Kamow Ka-52 Alligator</a></i>. Die Rotorblätter werden bei Aktivierung des Schleudersitzes automatisch abgesprengt.</li>
<li>Das einzige Verkehrsflugzeug, das jemals mit Schleudersitzen ausgestattet war, war die sowjetische <i><a href="Tupolew_Tu-144" title="Tupolew Tu-144">Tupolew Tu-144</a></i>, allerdings lediglich im Prototyp und ausschließlich für die Besatzung, nicht die Fluggäste. (Die 1973 bei <a href="Goussainville_(Val-d%E2%80%99Oise)" title="Goussainville (Val-d’Oise)">Goussainville</a> abgestürzte Maschine hatte hingegen keine Schleudersitze.).<sup id="cite_ref-44" class="reference"><a href="#cite_note-44"><span class="cite-bracket">[</span>44<span class="cite-bracket">]</span></a></sup></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Bemerkenswerte_und_spektakuläre_Fälle_von_Schleudersitzausstiegen"><span id="Bemerkenswerte_und_spektakul.C3.A4re_F.C3.A4lle_von_Schleudersitzausstiegen"></span>Bemerkenswerte und spektakuläre Fälle von Schleudersitzausstiegen</h2></div>
<ul><li>Januar 1941: Wilhelm Buß erlebt als erster Mensch einen (planmäßigen) Schleudersitzausstieg aus einer umgebauten <i>Ju 87</i>.</li>
<li>13. Januar 1943: Hauptmann Heinz Schenk steigt als erster Mensch notfallmäßig mit einem Schleudersitz aus einem havarierten Flugzeug (einer <i>He 280</i>) aus.</li>
<li>11. April 1944: Aus einer im Kampf beschädigten <i>He 219</i> kann sich erstmals eine gesamte zweiköpfige Besatzung (Herter und Perbix) mit dem Schleudersitz retten.</li>
<li>24. Juli 1946: Der Brite Bernard Lynch wird als erster Nichtdeutscher mit einem Schleudersitz ausgeschossen (aus einer <i>Gloster Meteor</i>).</li>
<li>29. Juli 1946: Der Schwede Bengt Johannson ist der erste nichtdeutsche Pilot, der sich in einer Notfallsituation mit einem Schleudersitz retten kann (aus einer <i>SAAB J21</i>).</li>
<li>November 1947: Robert A. Hoover steigt als erster US-Amerikaner notfallmäßig per Schleudersitz (aus einer <i>F-84</i>) aus, überlebt dies aber aufgrund technischer Probleme nur schwerverletzt.</li>
<li>13. Oktober 1954: Der neuseeländische Leutnant Bruce Macfarlane (1923–1994) überlebt einen Unterwasserausstieg mit Schleudersitz aus etwa 10 Meter Tiefe, nachdem seine vom <a href="Flugzeugtr%C3%A4ger" title="Flugzeugträger">Flugzeugträger</a> <a href="HMS_Albion" title="HMS Albion">HMS Albion</a> gestartete <i><a href="Westland_Wyvern" title="Westland Wyvern">Westland Wyvern</a></i> ins Mittelmeer gestürzt war.</li>
<li>1955: George Smith führt erstmals einen Notfallausstieg bei Überschallgeschwindigkeit aus (aus einer <i><a href="North_American_F-100" title="North American F-100">North American F100A Super Sabre</a></i>) und überlebt.</li>
<li>26. Juli 1958: Capt. Iven C. Kincheloe Jr. stirbt, nachdem er in niedriger Flughöhe aus seinem <i>Starfighter</i> aussteigen musste, welcher nur einen Ausschuss nach unten ermöglichte. Die <i>Starfighter</i> werden daraufhin mit konventionell nach oben schießenden Schleudersitzen umgerüstet.</li>
<li>26. Juli 1959: <a href="William_Rankin" title="William Rankin">William Rankin</a>, Pilot einer <a href="Vought_F-8" title="Vought F-8">Vought F-8</a>, löst aufgrund eines Triebwerksausfalls den Schleudersitz über einer <a href="Cumulonimbus" title="Cumulonimbus">Kumulonimbus</a>-Wolke aus, woraufhin er in das Innere der Wolke geschleudert wird, die ihn etwa eine halbe Stunde in ihrer Gewalt hält, ehe er mit Erfrierungen und Symptomen einer <a href="Dekompressionskrankheit" title="Dekompressionskrankheit">Dekompressionskrankheit</a> landet; damit ist er einer von nur zwei Menschen, die einen Flug durch eine solche Wolke überlebt haben.</li>
<li>10. Juni 1969: Commander Russ Pearson überlebt als zweiter Mensch einen Schleudersitzausstieg unter Wasser, nachdem sein <a href="Tr%C3%A4gergest%C3%BCtzte_Flugzeuge" class="mw-redirect" title="Trägergestützte Flugzeuge">Trägerflugzeug</a> <i><a href="Vought_A-7" title="Vought A-7">Vought A-7 Corsair II</a></i> in den <a href="Pazifischer_Ozean" title="Pazifischer Ozean">Pazifik</a> gestürzt war.</li>
<li>August 1981: Der sowjetische Testpilot Alexander Konowalow überlebt einen Schleudersitzausstieg bei der größten dokumentierten Geschwindigkeit, bei Mach 2,6, in 18.000 m Höhe, als er sich über dem <a href="Flugplatz_Sormowo" title="Flugplatz Sormowo">Flugplatz Sormowo</a> mit einem <a href="KM-1" title="KM-1">KM-1</a> aus einer <i><a href="Mikojan-Gurewitsch_MiG-25" title="Mikojan-Gurewitsch MiG-25">MiG-25R</a></i> rettet. Er trägt dabei einen <a href="Druckanzug" title="Druckanzug">Druckanzug</a>.<sup id="cite_ref-45" class="reference"><a href="#cite_note-45"><span class="cite-bracket">[</span>45<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> (Später wird ein Unfall mit einer damals noch geheimen <a href="Lockheed_SR-71" title="Lockheed SR-71">Lockheed SR-71</a> am 25. Januar 1966 über <a href="New_Mexico" title="New Mexico">New Mexico</a> bekannt, den der Testpilot William A. Weaver als eines der beiden Besatzungsmitglieder überlebte, nachdem er bei Mach 3,18 auf einer Flughöhe von 22,9 km ohne Schleudersitz, aber mit Fallschirm aus dem Flugzeug geschleudert wurde.<sup id="cite_ref-46" class="reference"><a href="#cite_note-46"><span class="cite-bracket">[</span>46<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>).</li>
<li>3. Juni 1984: Bei einer Flugvorführung in <a href="Gro%C3%9Fostheim" title="Großostheim">Großostheim</a> bei <a href="Aschaffenburg" title="Aschaffenburg">Aschaffenburg</a> wird ein Zuschauer von einem (nach der Sitz-Mann-Trennung) herabstürzenden Schleudersitz erschlagen. Der Unfall ereignet sich, nachdem der Pilot Flt. Ltn. Nick Gilchrist aus seiner in Brand geratenen <i><a href="Hawker_Siddeley_Harrier" title="Hawker Siddeley Harrier">Hawker Siddeley Harrier</a></i> notfallmäßig ausgestiegen war; er landete in einem <a href="Bierzelt" class="mw-redirect" title="Bierzelt">Bierzelt</a> und überlebte unverletzt.<sup id="cite_ref-47" class="reference"><a href="#cite_note-47"><span class="cite-bracket">[</span>47<span class="cite-bracket">]</span></a></sup></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Bilder">Bilder</h2></div>
<p><a href="NASA" title="NASA">NASA</a>-Test mit einem <a href="Crashtest-Dummy" title="Crashtest-Dummy">Dummy</a> im Schleudersitz einer <a href="Northrop_F/A-18" class="mw-redirect" title="Northrop F/A-18">Northrop F/A-18</a>, aus dem Stand abgeschossen.
</p>
<ul class="gallery mw-gallery-packed">
<li class="gallerybox" style="width: 122px">
<div class="thumb" style="width: 120px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext"><div style="text-align:center">Startposition</div></div>
</li>
<li class="gallerybox" style="width: 122px">
<div class="thumb" style="width: 120px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext"><div style="text-align:center">Abschuss</div></div>
</li>
<li class="gallerybox" style="width: 122px">
<div class="thumb" style="width: 120px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext"><div style="text-align:center">kurz nach dem Ausschuss</div></div>
</li>
<li class="gallerybox" style="width: 122px">
<div class="thumb" style="width: 120px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext"><div style="text-align:center">Hauptschirm öffnet sich,<br>Sitz fällt ab</div></div>
</li>
<li class="gallerybox" style="width: 122px">
<div class="thumb" style="width: 120px;"><span typeof="mw:File"></span></div>
<div class="gallerytext"><div style="text-align:center">Landung am geöffneten Schirm</div></div>
</li>
</ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Trivia">Trivia</h2></div>
<p>Im Alltagsleben wird der Begriff „Schleudersitz“ häufig verwendet, um eine <a href="Verantwortung_(Organisation)" title="Verantwortung (Organisation)">Verantwortung</a>sposition zu kennzeichnen, die man leicht wieder verlieren kann, z. B. weil die damit verbundene Aufgabe umstritten oder kaum lösbar ist. Häufig wird die Wendung z. B. im Zusammenhang mit <a href="Trainer" title="Trainer">Trainer</a>posten im bezahlten <a href="Fu%C3%9Fball" title="Fußball">Fußball</a> verwendet.<sup id="cite_ref-48" class="reference"><a href="#cite_note-48"><span class="cite-bracket">[</span>48<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Das Wort „Schleudersitz“ ist in diesem Fall <i>nicht</i> <a href="Metapher" title="Metapher">metaphorisch</a> zu verstehen, sondern vielmehr als reine Kombination der beiden Wortbestandteile „Sitz“ und „schleudern“ zu einem „Sitz, aus dem man (unfreiwillig) schnell wieder weggeschleudert werden kann“. In diesem übertragenen Zusammenhang wird somit die Rettungsfunktion eines realen Schleudersitzes nahezu in ihr Gegenteil verkehrt.
</p><p>In dem <a href="Humphrey_Bogart" title="Humphrey Bogart">Humphrey-Bogart</a>-Film <i><a href="Des_Teufels_Pilot" title="Des Teufels Pilot">Des Teufels Pilot</a></i> (<i>Chain Lightning</i>) wird die Idee einer Rettungskapsel, wie sie (abgesehen von dem Prototyp <i>He 176</i>) erst sehr viel später in der F-111 realisiert wurde, für die damalige Zeit erstaunlich realitätsnah vorweggenommen.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li>A. Geertz: <i>Grenzen und Sonderprobleme bei Anwendung von Sitzkatapulten.</i> Dissertation. TH Stuttgart, November 1944.</li>
<li>S. Ruff, M. Ruck, G. Sedlmayr: <i>Sicherheit und Rettung in der Luftfahrt.</i> Bernard & Graefe Verlag, Koblenz 1989, ISBN 3-7637-5293-5.</li>
<li>Heinz A. F. Schmidt: <i>Lexikon der Luftfahrt.</i> Motorbuch-Verlag, Berlin 1971, ISBN 3-87943-202-3, S. 325, 326, (308, 309).</li>
<li>Gerhard Sedlmayr, H. Just, R. Cronjaeger, E. Schmitz: <cite style="font-style:italic">Sicherheit und Rettung</cite>. VDI-Buch. In: Ludwig Bölkow (Hrsg.): <cite style="font-style:italic">Ein Jahrhundert Flugzeuge. Geschichte und Technik des Fliegens</cite>. Reprint der 1. Auflage von 1990. Springer, Berlin / Heidelberg / New York 2012, ISBN 978-3-18-400816-1, <span style="white-space:nowrap">S.<span style="display:inline-block;width:.2em"> </span>220–249</span>.<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Schleudersitz&rft.atitle=Sicherheit+und+Rettung&rft.au=Gerhard+Sedlmayr%2C+H.+Just%2C+R.+Cronjaeger%2C+...&rft.btitle=Ein+Jahrhundert+Flugzeuge.+Geschichte+und+Technik+des+Fliegens&rft.date=2012&rft.edition=Reprint+der+1.+Auflage+von+1990&rft.genre=book&rft.isbn=9783184008161&rft.pages=220-249&rft.place=Berlin+%2F+Heidelberg+%2F+New+York&rft.pub=Springer" style="display:none"> </span></li>
<li>Craig Ryan: <cite style="font-style:italic">Sonic wind: The story of John Paul Stapp and how a renegade doctor became the fastest man on earth</cite>. Wiley-Blackwell, 2016, ISBN 978-0-631-49191-0.<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Schleudersitz&rft.au=Craig+Ryan&rft.btitle=Sonic+wind%3A+The+story+of+John+Paul+Stapp+and+how+a+renegade+doctor+became+the+fastest+man+on+earth&rft.date=2016&rft.genre=book&rft.isbn=9780631491910&rft.pub=Wiley-Blackwell" style="display:none"> </span></li>
<li>Bryan Philpott: <cite style="font-style:italic">Eject! Eject!</cite> Ian Allan Publishing, 1989, ISBN 0-7110-1804-9.<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Schleudersitz&rft.au=Bryan+Philpott&rft.btitle=Eject%21+Eject%21&rft.date=1989&rft.genre=book&rft.isbn=0711018049&rft.pub=Ian+Allan+Publishing" style="display:none"> </span></li>
<li>Jim Tuttle: <cite style="font-style:italic">Eject! The complete history of US aircraft excape systems</cite>. MBI, 2002, ISBN 0-7603-1185-4.<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Schleudersitz&rft.au=Jim+Tuttle&rft.btitle=Eject%21+The+complete+history+of+US+aircraft+excape+systems&rft.date=2002&rft.genre=book&rft.isbn=0760311854&rft.pub=MBI" style="display:none"> </span></li>
<li>Wolfgang Späte, Kurt Zwickau, Georg Wollé, Helmut Roloff: <cite style="font-style:italic">Testpiloten</cite>. Hrsg.: Wolfgang Späte. Aviatic Verlag, Oberhaching 1993, ISBN 3-925505-23-7.<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Schleudersitz&rft.au=Wolfgang+Sp%C3%A4te%2C+Kurt+Zwickau%2C+Georg+Woll%C3%A9%2C+...&rft.btitle=Testpiloten&rft.date=1993&rft.genre=book&rft.isbn=3925505237&rft.place=Oberhaching&rft.pub=Aviatic+Verlag" style="display:none"> </span></li>
<li>K.-J. Innecken: <cite style="font-style:italic">Rettungssysteme</cite>. In: Hans Pongratz (Hrsg.): <cite style="font-style:italic">Kompendium der Flugmedizin</cite>. Flugmedizinisches Institut der Luftwaffe. 2004, ISBN 3-00-016306-9, <span style="white-space:nowrap">S.<span style="display:inline-block;width:.2em"> </span>109–118</span> (<a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.sky-doc.de/Download/Kompendium%20Flugmedizin%20Luftwaffe%202006.pdf">sky-doc.de</a> [PDF]).<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Schleudersitz&rft.atitle=Rettungssysteme&rft.au=K.-J.+Innecken&rft.btitle=Kompendium+der+Flugmedizin&rft.date=2004&rft.genre=book&rft.isbn=3000163069&rft.pages=109-118" style="display:none"> </span></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><div class="noresize noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Commons"></span></span></div><b><span class=""><a class="external text" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Ejector_seats?uselang=de"><span lang="en">Commons</span>: Schleudersitz</a></span></b> – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien</div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><span class="noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Wiktionary"></span></span></span><b><a href="https://de.wiktionary.org/wiki/Schleudersitz" class="extiw external" title="wikt:Schleudersitz">Wiktionary: Schleudersitz</a></b> – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen</div>
<ul><li><span class="cite">Kalikiano Kalei: <a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.authorsden.com/visit/viewarticle.asp?AuthorID=77566&id=36725"><i>Achtung! Schleudersitzaparat! A history of military aircraft egress systems.</i></a> 7. Februar 2008,<span class="Abrufdatum"> abgerufen am 21. Juli 2021</span>.</span><span style="display: none;" class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Adc&rfr_id=info%3Asid%2Fde.wikipedia.org%3ASchleudersitz&rft.title=Achtung%21+Schleudersitzaparat%21+A+history+of+military+aircraft+egress+systems&rft.description=Achtung%21+Schleudersitzaparat%21+A+history+of+military+aircraft+egress+systems&rft.identifier=https%3A%2F%2Fwww.authorsden.com%2Fvisit%2Fviewarticle.asp%3FAuthorID%3D77566%26id%3D36725&rft.creator=Kalikiano+Kalei&rft.date=2008-02-07"> </span></li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.ejectionsite.com/">ejectionsite.com</a> (englisch)</li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.youtube.com/watch?v=Phm6OIY1ukE"><i>Video: Schleudersitzausschuss während einer Flugshow</i></a> auf <a href="YouTube" title="YouTube">YouTube</a></li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.gbairspares.co.uk/reference/2ca.pdf">Aircrew equipment assemblies</a> (englisch PDF MK.1-4; 8,14 MB)</li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.welt.de/print-wams/article103128/Explosive-Sitzgelegenheit.html">Welt online „Mk 16E“ <i>Explosive Sitzgelegenheit</i></a> 2003 (abgerufen am 20. Februar 2009)</li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.reddit.com/r/WeirdWings/comments/gp207q/early_trials_with_an_ejector_seat_due_to_the_1943/">Filmclip mit schwedischen Schleudersitzversuchen für die SAAB 21</a></li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.landesmuseum-mv.de/exponate/schleudersitz-replik/">360°-Ansicht des Heinkel-Schleudersitzes</a> im virtuellen Landesmuseum Mecklenburg-Vorpommern</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Quellen">Quellen</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text"><a href="Wilfried_Kopenhagen" title="Wilfried Kopenhagen">Wilfried Kopenhagen</a>: <i>Transpress-Lexikon Luftfahrt.</i> Transpress, Berlin 1971, S. 315 und 494.</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text"><span class="cite"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.rhein-zeitung.de/artikelarchiv_artikel,-hightech-bewahrt-vor-tod-so-funktioniert-der-tornadoschleudersitz-_arid,1094385.html"><i>Hightech bewahrt vor Tod: So funktioniert der Tornado-Schleudersitz.</i></a> In: <i>Rhein-Zeitung.</i> 20. November 2013,<span class="Abrufdatum"> abgerufen am 25. Juli 2021</span>.</span><span style="display: none;" class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Adc&rfr_id=info%3Asid%2Fde.wikipedia.org%3ASchleudersitz&rft.title=Hightech+bewahrt+vor+Tod%3A+So+funktioniert+der+Tornado-Schleudersitz&rft.description=Hightech+bewahrt+vor+Tod%3A+So+funktioniert+der+Tornado-Schleudersitz&rft.identifier=https%3A%2F%2Fwww.rhein-zeitung.de%2Fartikelarchiv_artikel%2C-hightech-bewahrt-vor-tod-so-funktioniert-der-tornadoschleudersitz-_arid%2C1094385.html&rft.date=2013-11-20&rft.language=de"> </span></span>
</li>
<li id="cite_note-Zeit_1-3"><span class="mw-cite-backlink">↑ <sup><a href="#cite_ref-Zeit_1_3-0">a</a></sup> <sup><a href="#cite_ref-Zeit_1_3-1">b</a></sup></span> <span class="reference-text">
Stefan Schmitt: <cite style="font-style:italic">Dem Himmel so nah. Wie moderne Schleudersitze technische Meisterleistungen vollbringen</cite>. In: <cite style="font-style:italic"><a href="Zeit_Wissen" title="Zeit Wissen">Zeit Wissen</a></cite>. <span style="white-space:nowrap">Nr.<span style="display:inline-block;width:.2em"> </span>1</span>, 10. Dezember 2008, <span style="white-space:nowrap">S.<span style="display:inline-block;width:.2em"> </span>68–71</span>: „In dem Moment, in dem das Rohr in der Rückenlehne und das am Cockpitboden getrennt sind, lässt der Schub schlagartig nach. Für die Ingenieure war dies lange ein Problem: Verwendeten sie eine zu schwache Treibladung, kam der Pilot nicht sicher aus dem Flugzeug. War sie zu stark, riskierten sie Verletzungen am Rückgrat. Das Problem verschärfte sich zusätzlich, als die ersten Frauen Kampfjets bestiegen. Schließlich muss ein Schleudersitz seitdem ihre im Durchschnitt zarteren Körper ebenso unbeschadet. in Sicherheit bringen können wie den eines viel schwereren und deutlich größeren Mannes.“<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Ajournal&rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Schleudersitz&rft.atitle=Dem+Himmel+so+nah.+Wie+moderne+Schleudersitze+technische+Meisterleistungen+vollbringen&rft.au=Stefan+Schmitt&rft.date=2008-12-10&rft.genre=journal&rft.issue=1&rft.jtitle=Zeit+Wissen&rft.pages=68-71" style="display:none"> </span></span>
</li>
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<li id="cite_note-47"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-47">↑</a></span> <span class="reference-text"><span class="cite"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://web.archive.org/web/20161217162442/http://www.ejection-history.org.uk/aircraft_by_type/harrier/harrier.htm"><i>Harrier losses & ejections.</i></a> Archiviert vom <style data-mw-deduplicate="TemplateStyles:r250917974">
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<li id="cite_note-48"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-48">↑</a></span> <span class="reference-text">Christian Nawrath: <cite style="font-style:italic">Arbeiten auf dem Schleudersitz : Trainer werden, Trainer sein, Trainer bleiben</cite> (= <cite style="font-style:italic">VEP-Aktuell</cite>). 1. Auflage. Technische Universität Berlin, 2006, ISBN 3-937333-39-8 (<a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.bisp-surf.de/Record/PU201103002914">bisp-surf.de</a> [abgerufen am 4. November 2024]).<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Schleudersitz&rft.au=Christian+Nawrath&rft.btitle=Arbeiten+auf+dem+Schleudersitz+%3A+Trainer+werden%2C+Trainer+sein%2C+Trainer+bleiben&rft.date=2006&rft.edition=1.+Aufl.&rft.genre=book&rft.isbn=3937333398&rft.pub=Technische+Universit%C3%A4t+Berlin&rft.series=VEP-Aktuell" style="display:none"> </span></span>
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